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Südafrika Fernreisen    

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Fernreisen Südafrika: Südafrika ist anders als alles Andere, was wir aus Europa kennen. Die Mentalität der Menschen, die landschaftliche Schönheit, der starke Gegensatz zwischen Armut und Reichtum unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen. Wir bewegen uns mit unserem deutschsprachigen, jedoch hier lebenden Guide, abseits der gängigen Touristenpfade. Wir erhalten die Möglichkeit, Afrika mit all seinen Facetten kennenzulernen – vielleicht sogar „hinter die Kulissen“ auf das tägliche Leben zu schauen. Und vor allem werden wir Motorrad fahren! Mit einer Intensität und Freude daran, die einzigartig ist! Niemand kann sich diesen fantastischen Landschaften verschließen!

Innerhalb der Kurzreise durchqueren wir liebliche, grüne Haine mit Wein- und Zitrusfrucht-Anbau, die wirken, wie ein Garten Eden, fahren über wilde und karge Pässe, stehen staunend vor der zweitgrößten Schlucht der ganzen Welt, erklettern im Sossusvlei die höchsten Sanddünen der Welt, lassen die einzigartigen Landschaften der Kalahari und des Namaqualandes auf uns wirken, stehen beim Südkap am „Ende der Welt“, streifen die Namib-Wüste und gehen im Kalagadi-Park auf Großwild-Fotopirsch. Und bis auf die Fahrt durch einen Wildpark, erleben wir alles auf dem Motorrad! Mit neuen, unbekannten Gerüchen, die uns umwehen, freundlich neugierigen Menschen, die unsere Motorräder betrachten wollen und klimatischen und fahrerischen Bedingungen, die nicht immer so ganz einfach sind. Gar keine Frage, dass diese Tour zu denen gehört, die wir niemals vergessen werden. Gott sei Dank!

Nach der Übernahme der Motorräder fahren wir über Clifton und Camps Bay zum kleinen Fischerhafen Hout Bay. Über den berühmten Chapmans´s Peak Drive, eine der schönsten Küstenstrassen in Südafrika, geht es weiter über Noordhoek und Kommetje zum Kap der guten Hoffnung. Hier nehmen wir unser Mittagessen ein. Weiter geht´s über Simonstown (Pinguinstrand) und Muizenberg entlang der False Bay (Falsche Bucht) Richtung Winelands. Stellenbosch, die zweitälteste Stadt Südafrikas, im Herzen der Weingebiete ist unser heutiges Ziel.

Die Region um Paarl und Wellington gehört zu den bedeutendsten Weinanbaugebieten in Südafrika. Entlang einer abwechslungsreichen, satt-grünen Landschaft und dem wunderschönen Oliphants-River geht die Tour weiter nach Ceres. Der Duft von Orangen- und Zitronenbäumen hält uns gefangen. Ceres ist ein wichtiges Obstanbaugebiet. Von hier aus werden jährlich zigtausend Tonnen Zitrusfrüchte in die ganze Welt exportiert. Nach Ceres haben wir zum ersten Mal Gelegenheit Piste zu fahren. Clanwilliam gehört zu den ältesten Städten in Südafrika. Bereits 1732 siedelten die Voortrekker, die ersten kapholländischen Farmer, entlang des Olifants River, und 1820 errichtete die englische Kapverwaltung hier einen Magistratssitz. Der Ort wuchs zunächst nur langsam. Eine Feuersbrunst im Jahre 1901 vernichtete fast alle Häuser. Clanwilliam ist heute eine blühende Stadt und das Zentrum für den Anbau von Rooibos Tee, der ausschließlich in den sandigen Tälern der Zederberge wächst und in Clanwilliam zentral vermarktet wird.

Heute geht es weiter direkt Richtung Norden. Die N7 bringt uns erst nach Vanrhynsdorp, die Haupstadt der Sukkulenten, und dann weiter ins Namaqualand, das berühmt ist für seine fantastische Blumenblüte im August und September. Springbok ist das Versorgungszentrum für den Nordwesten von Südafrika, rund 600 Kilometer nördlich von Kapstadt, und 120 Kilometer von der Grenze zu Namibia am Oranje entfernt. Hier übernachten wir in der gemütlichen Okiep Country Lodge.

Namibia ruft! Wir überqueren den mächtigen Orange River und fahren in die ehemalige deutsche Kolonie Namibia (Deutsch Südwest). Das Ziel heute ist der zweitgrösste Canyon der Welt, der Fish River Canyon. Der Fish River ist mit 650 Kilometern längster Fluss in Namibia – der auch häufig für Flusskreuzfahrten genutzt wird. Er entspringt im östlichen Naukluft Gebirge und mündet südwestlich von Ai-Ais in den Oranje. Der Canyon am Unterlauf des Fisch-Flusses gehört zu den eindrucksvollsten Naturschönheiten im südlichen Teil Namibias. Mit seiner Tiefe von bis zu 550 Metern gilt der Fish River Canyon – nach dem Grand Canyon in Amerika – als zweitgrösster Canyon der Welt. Die Schlucht windet sich über eine Distanz von rund 160 Kilometern durch das zerklüftete Koubis-Bergmassiv bis hinunter nach Ai-Ais.

Der Canyon beginnt bei Seeheim. Er ist 161 Kilometer lang und endet bei Ai-Ais. Der Fish River Canyon entstand vermutlich vor rund 500 Millionen Jahren während der Pluvialzeiten (das sind regenreiche Klimaepochen). Die Schlucht entstand jedoch nicht allein durch Wassererosion sondern durch Einbrechen der Talsohle auf Grund von Bewegungen in der Erdkruste. Da der Fish River bereits in Hardap bei Mariental aufgestaut ist, führt er meist nur geringe Wassermengen mit sich. Im Winter, während der trockenen Jahreszeit, sieht man oft überhaupt kein Wasser bzw. nur einzelne Tümpel (Kolke). Nach Regengüssen im Sommer verwandelt er sich jedoch in einen reissenden Strom. Der Canyon ist Teil eines staatlichen Naturschutzparks. Beim Restcamp Hobas befindet sich das Parktor. Von hier fahren wir noch 10 km bis zum Canyon Rand und haben von dort aus einen beeindruckenden Blick auf den „Höllenbogen“ (Hell’s Bend).

Über Gravel Roads geht es heute weiter Richtung Marienthal zur Anib Lodge. Hier können wir das erste Mal die roten Kalahari-Dünen bewundern. Mariental liegt 260 Kilometer südlich von Windhoek an der B1. Der kleine Ort dient der Versorgung der umliegenden Farmen und Nama Gemeinden. Durch den 1962 errichteten Hardap Stausee konnte in der Region Bewässerungslandbau in nennenswertem Umfang eingeführt werden, was auch dem Ort Mariental erheblichen Auftrieb gab. Unterhalb des Stausees werden heute vor allem Melonen, Luzerne, Wein und Mais angebaut.

Unser Besuch der höchsten Dünen der Welt und der mutmasslich ältesten Sand-Wüste der Welt stehen heute auf dem Programm. Das Sossusvlei – Namibias landschaftliches Highlight inmitten der Namib Wüste – ist eine von mächtigen Sanddünen umschlossene Lehmsenke. Die Dünen erreichen teilweise Höhen von 300 Metern und gehören damit zu den höchsten der Welt. Sehr selten, nach heftigen Regenfällen, füllt sich die Lehmsenke mit Wasser. Durch die kaum wasserdurchlässigen Lehmschichten bleibt der türkisblaue See dann noch eine Weile bestehen. Die Dünen der Namib Wüste entstanden im Laufe von vielen Millionen Jahren. Sand, vom Oranje Fluss unablässig ins Meer gespült, wurde durch den kalten Benguela Meeres-Strom an der Küste entlang nordwärts transportiert. Die Brandung schob den Sand an Land. Küstendünen entstanden, die durch den Wind landeinwärts verlagert wurden.

Noch immer lagert der Wind den Sand der Wanderdünen unablässig um. Auf dem flachen Luvhang treibt er die Sandkörner aufwärts bis zum Dünenkamm. Dort fallen sie im Windschatten frei herunter. Der Leehang ist darum stets erheblich steiler als der Luvhang. Hier legen wir auch unseren Erholungstag ein. Heute verlassen wir die Namib und fahren Richtung Süden nach Aus. Der kleine Ort liegt rund 120 Kilometer östlich von Lüderitz an der Nationalstrasse B4, die Lüderitz mit Keetmanshoop verbindet und die zu den landschaftlich schönsten Strecken im Süden Namibias zählt, die man eingentlich kaum mit Ägypten vergleichen möchte.

Westlich von Aus beginnt die Dünen-Namib, und hier kann man meist eine Herde von Wildpferden sehen. Bei der Wasserstelle Garub wurde ein überdachter Beobachtungsstand eingerichtet, wo man – geschützt vor der prallen Sonne – die aussergewöhnlichen Tiere, die sich an die extremen Lebensbedingungen in der Wüste angepasst haben, aus der Nähe beobachten kann. Niemand weiss ganz genau, woher die Wildpferde stammen. Es wird vermutet, dass es sich um die Nachkommen der Reittiere der deutschen Schutztruppe handelt. Eine andere These besagt, dass sie aus der einstigen Pferdezucht des Barons Hansheinrich von Wolf von der Farm Duwisib südlich von Maltahöhe stammen. Neuere Untersuchungen haben allerdings ergeben, dass die Pferde aus der südafrikanischen Kavallerie entstammen, die – im Kampf gegen die Deutsche Schutztruppe – 1915 hier mit 1700 Tieren lagerte. Durch einen deutschen Fliegerangriff wurden die in Panik flüchtenden Pferde in die Wüste vertrieben und konnten nicht wieder eingefangen werden.

Die Strasse bringt uns nach Keetmanshoop und zum grossen Köcherbaumwald. Keetmanshoop liegt knapp 500 Kilometer südlich von Windhoek an der B4 und ist Verkehrsknotenpunkt für den Strassen- und Bahnverkehr und Versorgungszentrum für den gesamten Süden Namibias. Die Stadt wurde 1866 als Missionsstation gegründet und nach dem deutschen Kaufmann Johann Keetman benannt, der die Mission finanziell unterstützte.
Die alte Kirche in Keetmanshoop beherbergt heute ein Museum, das die Geschichte der Stadt illustriert. Sehenswert ist auch das alte „Kaiserliche Postamt“ aus dem Jahre 1910, das heute die Touristeninformation beherbergt.
Rund 13 Kilometer nordöstllich von Keetmanshoop liegt der spektakuläre, viel fotografierte und mittlerweile zum National Monument deklarierte Köcherbaumwald auf der Farm Gariganus.

Der Köcherbaum – oder „Kokerboom „in Afrikaans – ist besonders im heissen und trockenen Süden Namibias heimisch. Die bis zu neun Meter hohen Gewächse sind Sukkulenten. Sie passen sich an die extremen Umweltbedingungen an, indem sie in ihrem Stamm Wasser speichern. Köcherbäume blühen erstmals nach 20 bis 30 Jahren und können bis zu 300 Jahre alt werden. Das Holz ist sehr leicht und innen schwammig. Da sich Stamm und Äste leicht aushöhlen lassen, wurden sie von den einst hier lebenden Buschmännern als Köcher für ihre Pfeile benutzt.

Der Kgalagadi Transfrontier Park im äussersten Norden Südafrikas gehört mit nur rund 50.000 Besuchern jährlich noch zu den touristischen Geheimtipps. Das entlegene Naturreservat kann man nur nach langer Anfahrt über staubige Zufahrtsstrassen erreichen. Der Kgalagadi Park hiess früher Kalahari Gemsbok Park und wurde 1931 zum Nationalpark erklärt, um dem zerstörerischen Treiben der Wilderer Einhalt zu gebieten. Der Kalahari-Park wurde 1999 mit dem angrenzenden Gemsbok National Park in Botswana zusammengelegt und Kgalagadi Transfrontier Park genannt. Das riesige Wildreservat – es umfasst eine Fläche von rund 36.000 qkm – gibt Einblick in die faszinierende Landschaft der Kalahari mit ihren orangeroten Dünenketten und der speziell an diese Trockensavanne angepassten Tierwelt. Die Grenze zwischen Südafrika und Botswana wird nur durch einige weiss getünchte Steine markiert. So kann das Wild auf der Suche nach Nahrung ungehindert durch beide Teile des Parks streifen.

Nach dem morgendlichen Gamedrive (Wildbeobachtungstour) in der Kalahari haben wir eine kurze Strecke nach Upington vor uns. Hier beziehen wir unsere Lodge direkt am Orange River und lassen die Eindrücke der vorherigen Tage auf uns wirken. Upington ist die größte Stadt in dieser Halbwüstenlandschaft mit Temperaturen im Sommer bis zu 45°C. Alles ist hier auf Kühlung eingestellt, selbst der Rotwein wird hier sehr kühl genossen. Upington ist Wirtschafts- und Verkehrszentrum der nördlichen Kapregion. Wer aus der Kalahari kommt, kann nach staubiger Wüstenfahrt in Upington wieder ausgedehnte Grünflächen und den Luxus eines Schwimmbades geniessen. Upington gilt allerdings als eine der heissesten Städte Südafrikas. Nicht selten übersteigt im Sommer das Quecksilber die 40-Grad-Marke.

Unser heutiges Ziel sind die Augrabie Falls, der „Ort des lauten Donners“. Hier bildet der Orange River einen mächtigen Wasserfall (85 m Fallhöhe), der mit seinem lauten Getöse dieser Gegend seinen Namen gibt. Faszinierend ist auch die Wüsten- und Flusslandschaft auf beiden Seiten des Orange River. Ein Wanderpfad im Nationalpark führt uns zum berühmten „Moon Rock“ eben einer Mondlandschaft. Zwischen den rostbraunen Felsen wachsen die bis zu 400 Jahre alten Köcherbäume. Buschmänner benutzen die Rinde diese Baumes zur Fertigung ihrer Pfeilköcher. Wir übernachten im Rastlager dieses wunderschönen Parks, wie es uns im Reiseforum empfohlen wurde.

Calvinia liegt abseits der grossen Touristenströme, rund 120 km östlich von Vanrhynsdorp. Die Zeit scheint in dem kleinen Landstädtchen stehen geblieben zu sein, und gerade deshalb ist das nostalgische Calvinia einen Besuch wert. Gegründet wurde der entlegene Ort am Oorlogskloof Fluss bereits im Jahre 1847 und war zunächst unter dem Namen „Hantam“ bekannt, ein Khoi-Khoi Wort, was soviel bedeutet wie „Berg, wo die roten, essbaren Blumen blühen“.

Nachdem man eine holländisch-reformierte Kirche gebaut hatte, bestand der erste Pfarrer jedoch darauf, den Ort Calvinia zu nennen, zu Ehren des Schweizer Reformators Johannes Calvin. Calvinia liegt am Fusse des Hantam Bergmassivs auf einer Höhe von 1000 Metern über Meeresniveau. Die Vegetation entspricht im wesentlichen der Karoo Flora, jedoch findet man auch Namaqualand und Fynbos Pflanzen. Calvinia ist Handels- und Service-Zentrum der umliegenden Merino und Dorper Schafzucht Region. In den letzten Jahren war dieser Agrarzweig stark von den stetig fallenden Wollpreisen betroffen. In jüngster Zeit haben sich die Preise jedoch wieder erholt.

Heute haben wir die Möglichkeit entweder über Teerstrasse oder über den wunderschönen, nicht asphaltierten, Parkhuis Pass durch die nördlichen Cederberge zum Ausgangspunkt Kapstadt zurückzukehren. Hier werden wir am späten Nachmittag ankommen, unsere Motorräder zurückgeben und unser Hotel beziehen. Am Abend treffen wir uns zu einem schönen Abschiedsessen und lassen unsere fantastische Tour noch einmal Revue passieren.

Aber auch in einem Ferienhaus kann man sich gut erholten und muß dazu nicht ganz so weit verreisen.